die geistlichen Ritterorden

Anno 1129/1130 verfasste der 1174 Heilig gesprochende Bernhard von Clairvaux, der am Konzil von Troyes (13.01.1129 - erste Lateinische Fassung der Ordensregel der Tempelritter) endscheidenen Anteil hatte, seine "DE laude novae militae" (Lobrede auf das neue Rittertum). Damit schuf er die entscheidenen Gedanken für die Mission derer, die in seinen Augen zugleich Mönche und Ritter sind. Der zuvor im Jahre 1120 in Jerusalem gegründete Orden der Tempelritter war der erste geistliche Ritterorden des Mittelalters, eine völlig neue und grundlegend spirituell geprägte Gemeinschaft, deren Wurzeln im Abendland von der gregorianischen Reform (Papst Gregor 1073-1085), den Pilgerfahrten ins Heilige Land (und die Hospitalgründungen), bis zum ersten Kreuzzug, als die "miles Christi" (Soldaten des Herrn) Jerusalem eroberten, reichen.

Die Entwicklung des Rittertums in Europa, die Gottesfriedensbewegung, die Definition der "Treuga Dei" (der zeitweiligen Waffenruhe im Namen Gottes, - Damit kein Christ, einen anderen Christen töte, denn derjenige, der einen Christen tötet, vergießt ohne Zweifel das Blut Christi) um die Mitte des 11. Jhd. führte zu einer Trennung des Krieges in einen schlechten Krieg (Privatfehden, Raub usw.) und einen guten Krieg (im Dienst des Friedens der Kirche), bis zur Definition des Gerechten bzw. heiligen Krieges; Krieg gegen alle Feinde des christlichen Glaubens, der Kirche und des Papsttums. Der Heilige Krieg war ein gottgefälliges Werk, gegen die Feinde des christlichen Glaubens, wer dabei sein Leben ließ, starb den Märtyrertod.

Mönchtum und Rittertum sind die tragenden Säulen der Ritterorden. Zur Gründung eines geistlichen Ritterordens führten:
  • die geistliche Ausrichtung des Ritterums durch Ablegung der Ordensgelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam;
    durch päpstliche Anerkennung wird die Rittergruppe zum Ritterorden,
    Beispiele: der Templer-Orden, der Santiago-Orden

  • die Militarisierung der religiösen Orden mit Zustimmung des Papstes;
    Beispiele: der Hospitaliter-Orden, der Deutsche Orden, der Calatrava-Orden

Die Geschichte der geistlichen Ritterorden ist sehr eng verbunden mit den Wall- und Pilgerfahrten ins Heilige Land, insbesondere nach Jerusalem. Im 11. Jhd. erlebten die Pilgerfahrten einen erneuten Aufschwung, nachdem die Grabeskirche wiedererrichtet wurde. Eine Pilgerfahrt ins heilige Land nach Jerusalem bot im Gegensatz zu anderen Pilger- oder Wallfahrten die Möglichkeit, zu beten und Andacht zu üben, an Orten, wo Jesus und Maria gelitten und gelebt haben. In Jerusalem war Jesus gestorben und auferstanden.

Jerusalem galt als Zentrum der Welt mit den heiligsten Stätten der Christenheit, dort zu beten und zu beichten war der sehnlichste Wunsch zahlreicher frommer Frauen und Männer aus allen Ländern und Ständen. Mit der Pilgerfahrt zu den heiligsten Stätten wurde der Kreuzweg Christi nachvollzogen.
- Jerusalem - die Grabeskirche, die 14 Stationen seines Leidensweges, den Ölberg, Gesthesame, der Berg Zion usw.
- der Jordan - wo Jesus getauft worden war
- Bethlehem - den Geburtsort Jesus


hier ein kurzer geschichtlicher Überblick der Ereignisse im Heiligen Land, die zur Gründung der ersten Orden führte:

+ 312 - die Bekehrung Kaiser Konstantins zum christlichen Glauben

+ 20.05-25.07.325 - Konzil von Nicaea - das Konzil erkennt das Nicaenische Glaubensbekenntniss, des Diakons Athanasius von Alexandria, nach dem der Sohn Christus in seiner Göttlichkeit mit dem Vater wesensgleich ist, an. Anerkennung der christlichen Religion als Staatsreligion im Römischen Reich

+ 325 - der Bischof Makarius von Jerusalem findet das Grab Jesu unter den Überresten des altrömischen Aphroditetempels

+ 325 - Helena, die Mutter Kaiser Konstantins findet in einer Höhle 24m vom Grab Jesu entfernt drei Kreuze (darunter das Heilige Kreuz) in Jerusalem, Kaiser Konstantin lässt später über dem Grab einen Rundbau (genannt Anastasis = Auferstehung) und über der Höhle eine Basilika (genannt Martyrion = Ort der Marterung) errichten

+ 335 - Weihung der Grabeskirche und der Basilika in Jerusalem durch Kaiser Konstantin,
durch einen immer stärker werdenen Pilgerstrom nach Jerusalem wurden Hospitäler gegründet, zur Unterkunft und Pflege der Pilger,
Ein Hospital oder Hospiz (griechisch - Xenodochion) ist damals nicht nur ein Krankenhaus nach heutiger Sicht gewesen, sondern umfasste ein weit größeres Aufgabenspektrum. Es war eine Herberge für Pilger, ein Krankenhaus, eine Sozialstation und Obdachlosenasyl. Die Pilger konnten dort schlafen und essen, Kranke erhielten Pflege und geistlichen Zuspruch.

+ 395 - Durchsetzung des Christentums als Reichsreligion im Römischen Reich

+ kirchliches Oberhaupt Jerusalems ist bis zur Eroberung im Jahre 1099 ein byzantinischer Baslieus der griechischen Kirche

+ 638 - Eroberung Jerusalems durch die Araber

+ 865 - Karl der Große errichtet mit Zustimmung des Kalifen Harun-al Raschid ein Hospital, neben einer der heiligen Maria geweihten Kirche "Santa Maria Latina"

+ 1004-1014 - Zerstörung der Grabeskirche und der Basilika durch Kalif al-Hakim, in diesen Jahren war keine Pilgerfahrt zu den christlichen Stätten möglich

+ 1027 - durch eine Übereinkunft des byzantinischen Kaisers Konstantin VIII. und dem Kalifen begann der Wiederaufbau der zerstörten Kirchen

+ um 1048 - verstärkte Handelstätigkeit und Pilgerfahrten aus Europa und Griechenland

+ 1048 - Fertigstellung der Wiedererrichtung der Grabeskirche durch Byzanzs, 1049 - Fertigstellung der Wiedererrichtung der Basilika durch Lateiner

+ ca. 1048 - 1063 Gründung eines Hospitals in Jerusalem, in der Nähe des Heiligen Grabes durch Kaufleute aus Amalfi, Aufbau oder Wiederaufbau der Abtei "Santa Maria" und einer Kirche, Betreuung durch den Mönchsorden der Cluniazenser, Namensgebung des Gesamtkomplexes: "Santa Maria Latina"

+ ca. 1070 - 1080 Erweiterung des Komplexes durch eine Kapelle "Santa Maria Magdalena" und eines Frauenklosters ("Santa Maria Majore", 1102 so genannt) und eines Hospitals, dessen Altar dem "heiligen Johannes Eleemon (dem Barmherzigen)" oder bereits dem "St. Johannes dem Täufer" geweiht war, Betreuung dieses Hospitals durch Benediktinermönche

+ 1095 - Synode von Clermont, Aufruf durch Papst Urban II. zu einer bewaffneten Pilgerfahrt (später als Kreuzzug bezeichnet) zur Befreiung Jerusalems, Aufruf zum Heiligen Krieg.

+ 15. Juli 1099 Eroberung Jerusalem im ersten Kreuzzug, Leitung des Hospitals durch einen Laien namens Bruder Gerhard

+ 22. Juli 1099 Gottfried von Bouillon wird zum Oberhaupt der Kreuzfahrer zu Jerusalem gewählt, er nimmt den Titel "Verteidiger des Heiligen Grabes" an

+ 01. August 1099 Arnulf von Rohes wird neuer Patriarch von Jerusalem, die Priester der östlichen Riten (Griechen, Koppten, Armenier usw.) werden aus der Grabeskirche verbannt, Einsetzung eines Kapitels unter Leitung eines Priors, das dem Patriarchen als Domkapitel (20 Domherren = Kanoniker = Kleriker) bei der Verwaltung seines Sprengels, sowie dem Vollzug der Liturgie zur Seite stand

+ 12. August 1099 - unter Gottfried von Bouillon siegt das Kreuzfahrerheer über das aus Ägypten kommende fatimidische Heer bei Askalon

+ bis Ende 1099 - Abrundung der christlichen Eroberungen in Galiläa und am Jordan (Tiberias, Nazareth, Berg Tabor, Beisan)

+ Ende 1099 - Absetzung des Patriarchen Arnulf, Wahl des Erzbischofs Dagobert von Pisa als Patriarchen von Jerusalem

+ 18. Juli 1100 - Tod von Gottfried von Bouillon / 25. November 1100 - Krönung Balduins I. als König von Jerusalem

+ um 1100 - Die Brüder des Hospitals waren Laien und besuchten den Gottesdienst der Mönche von "St. Maria Latina", um 1100 baten die Brüder des Hospitals die Kanoniker des Heiligen Grabes die Gottesdienste in Ihrer Kirche "St. Johannes des Täufers" zu halten

+ 1100-1113 - Bau eines neuen und größeren Hospitals durch Bruder Gerhard, Übernahme der Kirche "St. Johannes der Täufer"
Errichtung von Hospitälern in Italien, Südfrankreich, Katalonien und England

in den Jahren 1112-1114 fand eine grundlegende Klärung der kirchlichen Verhältnisse in Jerusalem statt:
  • 1112 - bestätigte der Papst Paschalis II. die Benediktinerabtei "St. Maria Latina" in Ihren Privilegien und bestätigte damit den Bruch mit dem Hospital unter Bruder Gerhard

  • 1113 - Bestätigung des Hospitals als unabhängige Einrichtung (Orden) durch Papst Paschalis II. (Bulle "Pie postulatio voluntatis"). Durch die Bulle wurden die von Bruder Gerhard geführten Hospitäler zu einem internationalen Spitalorden zusammengefasst und unter apostolischen Schutz gestellt. Der Hospitaliter genannte Orden war somit unabhängig von den Benediktinern, als auch von den Kanonikern des Heiligen Grabes

  • 1114 - der Patriarch von Jerusalem Arnulf von Chocques gibt den "Chorherren des Heiligen Grabes" die Regel des heiligen Augustinus und macht sie damit zu einer Gemeinschaft von Regularkanonikern (bis 1114 waren sie Säkularkanoniker), Bestätigung durch Papst Calixt II. im Jahr 1122
Damit wurde eine Aufgabentrennung in der Pilgerbetreuung vollzogen:
  • I. liturgisch - die Betreuung des Heiligen Grabes durch den Orden der Regularkanoniker

  • II. karitativ - die Betreuung und Versorgung der Pilger durch den Orden des Hospitals des Heiligen Johannes zu Jerusalem

Desweiteren gab es im Umkreis der Kanoniker eine Laien- oder Tertiarbruderschaft (Milites sancti Sepulcri) von gewappneten Brüdern zur Verteidigung des Heiligen Grabes. Dies war kein Ritterorden, sondern es handelte sich um Ritter im Dienst des Heiligen Grabes, so wie es in Rom, Ritter im Dienst des hl. Petrus gab (milites sancti Petri). Sie unterstanden dem Prior der Regularkanoniker. Aus ihren Reihen kamen wahrscheinlich die ersten Templer. Nach Wilhelm von Tyros und Jakop von Vitry gab es unter den Rittern der Laienbruderschaft, die wahrscheinlich im Hospital untergebracht waren, eine Gruppe unter Hugo von Payns und Gottfried de Saint-Omer, die das Weisungsrecht der Regaularkanoniker angefochten haben, die handeln und kämpfen wollten. Für sie war die Laienbruderschaft für die Verteidigung des Heiligen Grab nicht mehr der geeignete Rahmen. Sie legten die drei Mönchsgelübte (Gehorsam, Armut und Keuschheit) ab und wollten gewappnet die Pilger schützen und das Heilige Land verteidigen. Der König von Jerusalem Balduin II. und der Patriarch von Jerusalem billigten diesen Schritt, der Prior der Regularkanoniker akzeptierte ihn. Das war die Geburtsstunde des Templer-Ordens. Leider gibt es es dazu keine konkreten Datumsangaben, nach der auf dem Konzil von Troyes (13.01.1129) fixierten Ordensregel, wird dies zwischen dem 14. Januar und dem 14. September 1120 geschehen sein.

Zu den zwei schon beschriebenen Aufgaben der Pilgerbetreuung kam also eine dritte hinzu:
  • III. Den Schutz der Pilger auf dem Weg von und nach Jerusalem und der weiteren Heiligen Stätten im Heiligen Land, durch den Orden der Tempelritter


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Quellen:
Lexikon des Mittelalters, 9 Bände
Verlag dtv, ISBN-3-423-59057-2

Geschichte der Kreuzzüge
Autor Steven Runciman, Verlag Deutscher Taschenbuch, ISBN-3-423-04670-8

Atlas der Kreuzfahrer, vom Krieg im Morgenland bis zum 13. Jahrhundert
Autor Angus Konstam, Verlag Atlas, ISBN-3-85492-558-1

Chronik der Kreuzzüge
Verlag Chronik Verlag, 2005, ISBN-3-577-14609-5

Die Templer - Aufstieg und Untergang 1118-1314,
Autor Alain Demurger, Verlag C.H.Beck, 1991, ISBN-3-406-35576-5

Die Ritter des Herrn, Geschichte der Geistlichen Ritterorden
Autor Alain Demurger, Verlag C.H.Beck, ISBN-3-406-50282-2

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